Mit Wehmut nehme ich in den letzen Monaten wahr, dass sich der alternative Indie-Musik-Mainstream (was für eine herrlich paradoxe und zugleich wahre Wort-Kreation) wandelt, weg vom handgemachten Rock hin zu elektronischen Klängen. Ich erleide erschütternde Flashbacks zurück zu den Dürre-Zeiten zwischen Grunge und den Strokes, als etwa auf FM4 (man mag von dem Sender ja halten was man will, ich für meine Teil bin bescheiden und froh, dass es eine handvoll Radiosender wie diesen in Österreich gibt, die man ohne Bedenken und regelmäßige Schauer kalten Grausens einschalten kann) keinerlei Rockmusik nach meinem Geschmack gespielt wurde, weil auch kaum Rockmusik zugänglich oder "populär" war - das waren die Zeiten des Nu Metal, mehr brauch ich dazu wohl nicht zu sagen. Oh Gott, mir kommt gerade, wie furchtbar konservativ das ist, was ich hier und heute schreibe und das beste Zeichen dafür, dass ich den Anschluss zur Jugendkultur verliere, hehe... ;-)
Wieauchimmer, ich bin schon lange der Meinung, dass Menschen, die auf die Frage, welche Musikrichtung sie mögen, antworten "Eigentlich ALLES." (eventuell noch freundlicherweise eingeschränkt durch einen Zusatz wie "bis auf Volksmusik / Schlager / Techno") - quer durch das Gemüsebeet; also quasi egal, was - mir von vorneherein ungeheuer sind. Ja, das ist defintiv ein Vor-Urteil im klassischen Sinne, ich bin quasi eine un-offene Musik-Kastl-Denkerin, und dazu stehe ich auch. *g*
Musik ist mir einfach sehr wichtig, auch wenn ich ab und zu in die Manie kippe, was das Thema angeht, aber diese Leidenschaft und das Gefühl, von (vor allem magischen Live-)Klängen mitgerissen, berührt, bewegt und beflügelt zu werden, möchte ich in meinem Leben keinesfalls missen. Egal wie jung oder alt ich bin.
Ich sehs ja auch gelassen und bin recht beruhigt, dass ich eine weitere jahrelange dunkle Phase ohne Gitarren-Musik unbeschadet überleben werde. Erstens, weil es auch in der tiefsten musikalischen Dunkelheit wieder bekannte Lichtblicke geben wird (zuletzt war das MUSE und sonst eigentlich kaum was). Zweitens, weil es dank des Internets inzwischen möglich ist, an Musik nach persönlichem Geschmack zu kommen, egal ob diese gerade komerziell gefragt oder erfolgreich ist oder nicht. Drittens, weil es "da draußen" jetzt schon so viel meiner Meinung nach gute Musik mehr gibt, die nur darauf wartet, von mir entdeckt zu werden, und sei es ein paar Jahre danach, mehr als sich in diesem Leben jemals ausgehen wird. Ja, ich gebe es hiermit ehrlich zu, dass ich mich sehr leicht für Musik begeistern kann, wenn sie gewisse Kriterien erfüllt und da relativ unkritisch bin. Ich bin also nicht viel anders, als oben erwähnte Menschen, die ALLES mögen, hehe.
Musik ist übrigens die einzige Gemeinsamkeit aller Menschen, die ich (abseits einer Schwäche für die lebenswichtigen Dinge wie Essen, Trinken und Zwischenmenschlichkeit) unabhängig von Kultur, Bildungstand, Familienherkunft, Geschlecht und Alter bisher entdecken konnte - was mich sogleich dazu veranlasst hat, Musik auch als überlebenswichtig für Menschen zu klassifizieren. :-)
Ich bin sehr dankbar für die letzten, sehr fruchtbaren Jahre wundervoller musikalischer Kreativität, die ich so hautnah miterlebt habe. In diesem Fall bin ich sehr gerne ein Kind meiner Zeit. Ich habe fast ausnahmslos alle KünstlerInnen und Bands live gesehen, die noch unter den lebenden weilen, mich wirklich interessieren und mir am Herzen liegen. Wer kann das schon von sich behaupten?
Jim Morrison meinte seinerzeit zwar sinngemäß: "Wenn sich eine (Jugend-)Bewegung ihrer selbst bewusst wird, ist das das Zeichen dafür, dass sie vorüber ist." Wenn das auf meine aktive Teilnahme an der Welt der mehr oder weniger blühenden Rockmusik zutrifft, so nehm ich das in Kauf, weil ich diese Phase meines Lebens keinesfalls missen möchte. Ich war nie Teil einer Jugendbewegung und ich werde auch keiner mehr sein, weil ich nicht mehr im klassichen Sinne jugendlich bin. Aber was ich erlebt habe und mir immer noch offensteht, weiterhin zu erleben, ist mir ohnehin 1000 Mal lieber. Und irgendwie hab ich da so ein Gefühl, dass ich das nicht so bald ändern werde.
Die einzige "Entschuldigung", die ich vor mir selbst gelten lassen würde, wenn ich mich von dem tendentiell exzessiven Musik-Konsum bzw Musik-Genuss abwenden würde, wäre, selbst Musik zu machen. Dazu bin ich einstweilen jedoch noch zu gehemmt und un-willig. Aus mir bisher unerfindlichen oder besser gesagt noch-nicht-in-den-Griff-bekommenen Gründen (eine Ahnung, womit das zu tun hat, habe ich nämlich sehr wohl), habe ich mich den Hindernissen auf dem Weg, aktiv als Künstlerin zu leben, dh meine Kreativität auf musikalische oder andere Weise auszuleben, noch nicht gestellt bzw. noch nicht die richtigen Konsequenzen aus den vorhandenen Hindernissen gezogen. Wobei es natürlich nicht zufällig ist, dass ich mich so für das Talent und die Schöpfungen anderer Menschen begeistern kann. Diesbezüglich liegt noch sehr viel Arbeit vor mir und ich frage mich, warum ich in den letzen Woche alles daran setze, Fortschritte auf diesem Weg zu verhindern. Ich beobachte mein Verhalten und sehe tatenlos dabei zu, wie ich vieles bemerkterweise falsch mache. Offenbar brauche ich es paradoxerweise, 10 Schritte zurückzugehen, um 1 kleinen Schritt nach vorne gehen zu können. Ich fühle mich schon seit Jahren, vielleicht seit der Pubertät, kreativ schwanger, und genausolange schiebe ich "die Geburt" vor mir her. Ich frage mich, wovor ich solche Angst habe. Vielleicht vor meiner eigenen Brut? (Was ja bei dieser bildlichen Embryo-Metapher kein Wunder wäre) ;-)
Es gibt ein Buch, das mir trotz der momentanen bewussten Fehler, die ich mache, grundsätzlich geholfen hat, mehr über meine kreative Blockade zu erfahren und ich sehr empfehlenswert finde: "Der Weg des Künstlers. Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität " von Julia Cameron
Nicht gerade ein Zeichen von Intelligenz, wissentlich einiges falsch zu machen, obwohl ich genau weiß, was und wie ich es besser machen könnte, nicht wahr? Aber wohl auch eine Form von Freiheit oder Privileg, die ich habe (aber nicht genieße, denn glücklich machen solche Um- und Flucht-Wege keinesfalls) und aus-nutze. Mit Logik hat das alles jedenfalls nix zu tun...
SonRisEvA
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