Mit Wehmut nehme ich in den letzen Monaten wahr, dass sich der alternative Indie-Musik-Mainstream (was für eine herrlich paradoxe und zugleich wahre Wort-Kreation) wandelt, weg vom handgemachten Rock hin zu elektronischen Klängen. Ich erleide erschütternde Flashbacks zurück zu den Dürre-Zeiten zwischen Grunge und den Strokes, als etwa auf FM4 (man mag von dem Sender ja halten was man will, ich für meine Teil bin bescheiden und froh, dass es eine handvoll Radiosender wie diesen in Österreich gibt, die man ohne Bedenken und regelmäßige Schauer kalten Grausens einschalten kann) keinerlei Rockmusik nach meinem Geschmack gespielt wurde, weil auch kaum Rockmusik zugänglich oder "populär" war - das waren die Zeiten des Nu Metal, mehr brauch ich dazu wohl nicht zu sagen. Oh Gott, mir kommt gerade, wie furchtbar konservativ das ist, was ich hier und heute schreibe und das beste Zeichen dafür, dass ich den Anschluss zur Jugendkultur verliere, hehe... ;-)
Wieauchimmer, ich bin schon lange der Meinung, dass Menschen, die auf die Frage, welche Musikrichtung sie mögen, antworten "Eigentlich ALLES." (eventuell noch freundlicherweise eingeschränkt durch einen Zusatz wie "bis auf Volksmusik / Schlager / Techno") - quer durch das Gemüsebeet; also quasi egal, was - mir von vorneherein ungeheuer sind. Ja, das ist defintiv ein Vor-Urteil im klassischen Sinne, ich bin quasi eine un-offene Musik-Kastl-Denkerin, und dazu stehe ich auch. *g*
Musik ist mir einfach sehr wichtig, auch wenn ich ab und zu in die Manie kippe, was das Thema angeht, aber diese Leidenschaft und das Gefühl, von (vor allem magischen Live-)Klängen mitgerissen, berührt, bewegt und beflügelt zu werden, möchte ich in meinem Leben keinesfalls missen. Egal wie jung oder alt ich bin.
Ich sehs ja auch gelassen und bin recht beruhigt, dass ich eine weitere jahrelange dunkle Phase ohne Gitarren-Musik unbeschadet überleben werde. Erstens, weil es auch in der tiefsten musikalischen Dunkelheit wieder bekannte Lichtblicke geben wird (zuletzt war das MUSE und sonst eigentlich kaum was). Zweitens, weil es dank des Internets inzwischen möglich ist, an Musik nach persönlichem Geschmack zu kommen, egal ob diese gerade komerziell gefragt oder erfolgreich ist oder nicht. Drittens, weil es "da draußen" jetzt schon so viel meiner Meinung nach gute Musik mehr gibt, die nur darauf wartet, von mir entdeckt zu werden, und sei es ein paar Jahre danach, mehr als sich in diesem Leben jemals ausgehen wird. Ja, ich gebe es hiermit ehrlich zu, dass ich mich sehr leicht für Musik begeistern kann, wenn sie gewisse Kriterien erfüllt und da relativ unkritisch bin. Ich bin also nicht viel anders, als oben erwähnte Menschen, die ALLES mögen, hehe.
Musik ist übrigens die einzige Gemeinsamkeit aller Menschen, die ich (abseits einer Schwäche für die lebenswichtigen Dinge wie Essen, Trinken und Zwischenmenschlichkeit) unabhängig von Kultur, Bildungstand, Familienherkunft, Geschlecht und Alter bisher entdecken konnte - was mich sogleich dazu veranlasst hat, Musik auch als überlebenswichtig für Menschen zu klassifizieren. :-)
Ich bin sehr dankbar für die letzten, sehr fruchtbaren Jahre wundervoller musikalischer Kreativität, die ich so hautnah miterlebt habe. In diesem Fall bin ich sehr gerne ein Kind meiner Zeit. Ich habe fast ausnahmslos alle KünstlerInnen und Bands live gesehen, die noch unter den lebenden weilen, mich wirklich interessieren und mir am Herzen liegen. Wer kann das schon von sich behaupten?
Jim Morrison meinte seinerzeit zwar sinngemäß: "Wenn sich eine (Jugend-)Bewegung ihrer selbst bewusst wird, ist das das Zeichen dafür, dass sie vorüber ist." Wenn das auf meine aktive Teilnahme an der Welt der mehr oder weniger blühenden Rockmusik zutrifft, so nehm ich das in Kauf, weil ich diese Phase meines Lebens keinesfalls missen möchte. Ich war nie Teil einer Jugendbewegung und ich werde auch keiner mehr sein, weil ich nicht mehr im klassichen Sinne jugendlich bin. Aber was ich erlebt habe und mir immer noch offensteht, weiterhin zu erleben, ist mir ohnehin 1000 Mal lieber. Und irgendwie hab ich da so ein Gefühl, dass ich das nicht so bald ändern werde.
Die einzige "Entschuldigung", die ich vor mir selbst gelten lassen würde, wenn ich mich von dem tendentiell exzessiven Musik-Konsum bzw Musik-Genuss abwenden würde, wäre, selbst Musik zu machen. Dazu bin ich einstweilen jedoch noch zu gehemmt und un-willig. Aus mir bisher unerfindlichen oder besser gesagt noch-nicht-in-den-Griff-bekommenen Gründen (eine Ahnung, womit das zu tun hat, habe ich nämlich sehr wohl), habe ich mich den Hindernissen auf dem Weg, aktiv als Künstlerin zu leben, dh meine Kreativität auf musikalische oder andere Weise auszuleben, noch nicht gestellt bzw. noch nicht die richtigen Konsequenzen aus den vorhandenen Hindernissen gezogen. Wobei es natürlich nicht zufällig ist, dass ich mich so für das Talent und die Schöpfungen anderer Menschen begeistern kann. Diesbezüglich liegt noch sehr viel Arbeit vor mir und ich frage mich, warum ich in den letzen Woche alles daran setze, Fortschritte auf diesem Weg zu verhindern. Ich beobachte mein Verhalten und sehe tatenlos dabei zu, wie ich vieles bemerkterweise falsch mache. Offenbar brauche ich es paradoxerweise, 10 Schritte zurückzugehen, um 1 kleinen Schritt nach vorne gehen zu können. Ich fühle mich schon seit Jahren, vielleicht seit der Pubertät, kreativ schwanger, und genausolange schiebe ich "die Geburt" vor mir her. Ich frage mich, wovor ich solche Angst habe. Vielleicht vor meiner eigenen Brut? (Was ja bei dieser bildlichen Embryo-Metapher kein Wunder wäre) ;-)
Es gibt ein Buch, das mir trotz der momentanen bewussten Fehler, die ich mache, grundsätzlich geholfen hat, mehr über meine kreative Blockade zu erfahren und ich sehr empfehlenswert finde: "Der Weg des Künstlers. Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität " von Julia Cameron
Nicht gerade ein Zeichen von Intelligenz, wissentlich einiges falsch zu machen, obwohl ich genau weiß, was und wie ich es besser machen könnte, nicht wahr? Aber wohl auch eine Form von Freiheit oder Privileg, die ich habe (aber nicht genieße, denn glücklich machen solche Um- und Flucht-Wege keinesfalls) und aus-nutze. Mit Logik hat das alles jedenfalls nix zu tun...
SonRisEvA
Montag, 23. Juli 2007
Freitag, 13. Juli 2007
Sonntag, 8. Juli 2007
Erst die Arbeit, dann das Vergnügen
Leider bin ich schlecht mit dem Merken von Namen [und noch schlechter: von Gesichtern - und das als Psychologin ;-) ], was sich auch in der Tatsache niederschlägt, dass ich mir nicht gemerkt habe, von wem ich - sinngemäß - vor einiger Zeit folgende Aussage in einem Interview in einer Zeitschrift gelesen habe: "Egal, welch tragische Kindheit und furchtbare Eltern man hatte, irgendwann kommt der Tag, an dem man selbst dafür verantwortlich ist, über sein Leben zu bestimmen." Wie sich vielleicht auch hier widerspiegelt, hadere ich selbst ja damit [ und ich habe wenig objektive Tragik erlebt und sehr bemühte Eltern gehabt ] und langeweile mich selbst auch schon ab und zu mit dem Thema...
Dass wir Menschen einerseits ein Wunderwerk sind setze ich als bekannt voraus.
Ich denke oft darüber nach, wie mangelhaft wir Menschen andererseits doch sind. Jede/r Einzelne von uns kommt mit massiven Mängeln und/oder Schäden im Erwachsenenalter an, seien es Selbstwertmängel, Suchtverhalten, schädigende Partnerwahl-Muster, Beziehungsängste, ... Die Liste ließe sich noch lange fortführen. Zumindest ich kenne niemanden, der/die die Kindheit/Jugend völlig unbeschadet überstanden hat, und ich lebe relativ gesehen in einem Land der Seligen. Offenbar sind uns Enttäuschungen, Kränkungen, Leid, Frustration, Verletzungen von Kindesalter an vorbestimmt, selbst wenn das soziale Umfeld noch so bemüht ist, die "harte Realität" abzufedern. Die erähnten Mangelerscheinungen sind bedingt durch zu wenig Liebe, Aufmerksamkeit, Bestätigung, Ermutigung, Werte, Stabilität, ... - und sie füllen wohl die diversen Psychotherapie-Lerhbücher. Nicht nur unsere Persönlichkeit und Verhaltensmuster, sondern auch unsere Problem-Muster werden von der Herkunftsfamilie bzw frühern sozialen Erfahrungen geprägt. Die Mangelhaftigkeit unserer Eltern und Vorfahren überträgt sich auf uns Nachfahren. (Freilich die Errungenschaften gleichermaßen!)
Dazu fällt mir ein anderes, grundsätzlich wenig interessantes Interview ein, das ich im Fernsehen gesehen habe, mit dem Autor des Buchs "Glück! - Eine etwas andere Gebrauchsanweisung", Wolf Schneider. Dieser postuliert darin, dass selbiges nur aus dem Kontrast heraus entstehen kann, etwas der Genuss eines Essens nach eine Phase von Hunger. So quasi: Kein Genuss ohne vorangegangenen Verzicht.
Findet sich darin eine Analogie zum oben erwähnten Lebens-Konzept? Erst aus dem Mangel und Leid heraus entsteht das Streben nach Verbesserung der eigenen Lebenssituation und nach Glück, und damit verbunden die Bereitschaft, sein Leben in die Hand zu nehmen, an sich zu arbeiten und etwas wirklich zu verändern. So quasi: Kein Glück ohne vorangegangenen Leidesdruck? [ So gesehen geht es mir wohl einfach noch nicht ausreichend schlecht genug, um manche Aspekte meines Lebens zu verändern. ]
Was mir den Verdacht aufdrängt, dass dahinter ein System steckt...
Als habe die Natur - oder die göttliche Kraft - das so vorgesehen. Möglicherweise ein struktureller Mangel im allumfassenden System, welches ich Welt oder Universum nenne, oder wohl doch eher Methode des Systems, sich selbst voranzutreiben, sukkzessive zu verbessern?
Auf einer Metaebene gedacht würde das bedeuten, dass es so etwas wie eine soziale Evolution gibt.
Ich bin vorsichtig mit der Niederschrift und Aussprache dieser Gedankengänge, welche durch die massive Vereinfachung der tatsächlichen, realen Komplexität extrem fehleranfällig sind und ein Risiko der Fehlinterpretation in eine Richtung, auf die ich überhaupt nicht abziele, mit sich bringen. Nämlich in die Richtung, in der Menschengruppen gegeneinander abgewogen werden und somit auf- oder abgewertet werden. Es liegt mir fern zu beurteilen, was allgemein gut oder schlecht ist, weil ich nicht an die Allgemeingültigkeit dieser Begriffe glaube. Ich will lediglich Fragen aufwerfen und bin mir bewusst, dass jegliche Antwort, die ich gebe, nur ein Schnappschuss meiner momentanen Sichtweise sein kann, nichts weiter. Ich will mir selbst klarer über mein heranreifendes Theorie-Gebilde werden. Deshalb gehe ich das Risiko ein, mit dem deutlichen Hinweis, dass ich nur eine Variable von vielen darstelle!
Mit sozialer Evolution meine ich, dass die Prinzipien Darwins bezüglich der biologischen Evolution - insbesondere natürliche Selektion und vielleicht auch (spontane) Mutationen - auf die soziale Ebene übertragbar sein könnten. Wer ist bei der PartnerInnen-Suche erfolgreich, pflanzt sich fort und bekommt so die Gelegenheit, neben seinen Genen auch seine Werte, Glaubenssätze, Ziele, Problem-Themen, Fähigkeiten (also quasi das "soziale Vermächtnis" und zwar unabhängig davon, ob all dies bewusst ist oder nicht) an nachfolgende Generationen weiterzugeben und dadurch mit-zu-beeinflussen, in welche Richtung das soziale Umfeld, der Staat, die Gesellschaft, die Menschheit sich entwickelt? Wer nicht und warum nicht?
Nachkommen in die Welt zu setzen ist natürlich nicht die einzige Möglichkeit, Einluss zu nehmen, aber mit Sicherheit eine der effektivsten und nachhaltigsten. Auch ich fühle mich auf der einen Seite gewissermaßen verpflichtet, diesen Beitrag zur Welt zu leisten. Auf der anderen Seite sehe ich meine Wahlfreiheit, mich dafür oder dagegen zu entscheiden, und gegebenenfalls die notwendigen Bedingungen festzulegen und herzustellen. Nachkommen werden natürlich nicht ausschließlich von den Eltern bzw. Bezugspersonen "geprägt", es gibt auch andere Einflüsse, aber - so trivial das klingen mag, weil einfach so naheliegend - bei den meisten Menschen der wesentlichste. Es steht außer Frage, dass jedes Neugeborene eine eigene Persönlichkeit mitbringt und ein eigenständiges Individuum ist mit dem Recht auf Entfaltung seines Potentials. Wie wahrscheinlich immer handelt es sich hier um Wechselwirkungen vieler verschiedener Variablen mit unterschiedlicher Gewichtung, wie sich ein Kind entwickelt: Kind, Eltern, äußere Umstände, Ereignisse, soziales Umfeld...
Zugleich wird durch die hohe Fruchtbarkeit und den starken Fortpflanzungstrieb des Menschen (siehe mein erster Blogeintrag) nicht wirklich verhindert, dass Menschen Kinder kriegen, die aus verschiedenen Gründen eigentlich keine wollen und/oder nicht über die notwendigen Ressourcen verfügen, sie großzuziehen. Was im Widerspruch zu "meiner Theorie" steht. Wenn es nach der Natur ginge, würde jede/r sich fortpflanzen, unabhängig von persönlichem Kinderwunsch.
Das wirft die Frage auf, ob einzig und allein die Natur "dahintersteckt", oder etwa eine höhere Macht oder gar ein Master-Plan?
Denn: Unsere Gesellschaft unterscheidet sich da meiner Meinung nach stark von anderen, vor allem auch früheren. Ich bilde mir sogar - vielleicht in meiner nur-ein-Kind-meiner-Zeit-Tunnelblick-Naivität - ein, dass sie einen noch-nie-dagewesenen Sonderstatus einnimmt. Warum entscheiden sich viele Menschen (und das nicht nur mangels Gelegenheiten) dafür, keine Kinder zu bekommen? Welche Arten von Menschen tun das? Wie beeinflusst das die Gesellschaft, wenn diese Menschen sich nicht fortpflanzen und in welche Richtung verändert sie sich dadurch? Ich denke an das - wiederum recht vereinfachte - Sinnbild eines Systems: Ein hochkomplex gewebtes Netz - jeder einzelne Knotenpunkt des Netz stellt ein Individuum mit seinen eigenen Mustern, Herausforderungen und Lernaufgaben dar. Das nähere Umfeld wird stark beeinflusst von den Handlungen des jeweiligen Knotenpunkts und umgekehrt, es kommt zu Wechselwirkungen und eigenwillige Dynamiken. Das gesamte Netz spiegelt ein unendliches und unsagbar komplexes Mosaik wider - die Menschheit - gestern, heute, morgen. Jeder Knotenpunkt befindet sich (an dem ihm zugewiesenen?) seinen Platz, den er einnimmt, ob er ihn sich ausgesucht hat oder nicht, ob er will oder nicht, ob er sich entscheidet, ihn wie ihm bestimmt auszufüllen oder für Unruhe im System zu sorgen. :-)
Warum klingt alles, was ich heute Abend schreibe, so banal? Und so religiös angehaucht? Ich denke mir: "Wer stellt sich angesichts der Komplexität der Schöpfung (die ja aus unsagbar viel mehr als "nur" aus uns Menschen besteht) / der Welt / des Universums [ Bezeichnung Deiner Wahl einsetzen ] keine spirituellen Fragen?" Vielleicht werde ich durch zunehmende Lebenserfahrung und Horizont-Erweiterung durch gewolltes Dazu-Lernen im Laufe meines Lebens einen immer besseren Zugang zu meiner spirituellen Seite finden? Ich vermute ja schon lange, dass meine Suche nach Wahrheftigkeit untrennbar damit verbunden sein könnte...
Banal und naiv oder nicht, für mich bleibt es mit Sicherheit weiterhin spannend...
Gute Nacht!
SonRisEva
Dass wir Menschen einerseits ein Wunderwerk sind setze ich als bekannt voraus.
Ich denke oft darüber nach, wie mangelhaft wir Menschen andererseits doch sind. Jede/r Einzelne von uns kommt mit massiven Mängeln und/oder Schäden im Erwachsenenalter an, seien es Selbstwertmängel, Suchtverhalten, schädigende Partnerwahl-Muster, Beziehungsängste, ... Die Liste ließe sich noch lange fortführen. Zumindest ich kenne niemanden, der/die die Kindheit/Jugend völlig unbeschadet überstanden hat, und ich lebe relativ gesehen in einem Land der Seligen. Offenbar sind uns Enttäuschungen, Kränkungen, Leid, Frustration, Verletzungen von Kindesalter an vorbestimmt, selbst wenn das soziale Umfeld noch so bemüht ist, die "harte Realität" abzufedern. Die erähnten Mangelerscheinungen sind bedingt durch zu wenig Liebe, Aufmerksamkeit, Bestätigung, Ermutigung, Werte, Stabilität, ... - und sie füllen wohl die diversen Psychotherapie-Lerhbücher. Nicht nur unsere Persönlichkeit und Verhaltensmuster, sondern auch unsere Problem-Muster werden von der Herkunftsfamilie bzw frühern sozialen Erfahrungen geprägt. Die Mangelhaftigkeit unserer Eltern und Vorfahren überträgt sich auf uns Nachfahren. (Freilich die Errungenschaften gleichermaßen!)
Dazu fällt mir ein anderes, grundsätzlich wenig interessantes Interview ein, das ich im Fernsehen gesehen habe, mit dem Autor des Buchs "Glück! - Eine etwas andere Gebrauchsanweisung", Wolf Schneider. Dieser postuliert darin, dass selbiges nur aus dem Kontrast heraus entstehen kann, etwas der Genuss eines Essens nach eine Phase von Hunger. So quasi: Kein Genuss ohne vorangegangenen Verzicht.
Findet sich darin eine Analogie zum oben erwähnten Lebens-Konzept? Erst aus dem Mangel und Leid heraus entsteht das Streben nach Verbesserung der eigenen Lebenssituation und nach Glück, und damit verbunden die Bereitschaft, sein Leben in die Hand zu nehmen, an sich zu arbeiten und etwas wirklich zu verändern. So quasi: Kein Glück ohne vorangegangenen Leidesdruck? [ So gesehen geht es mir wohl einfach noch nicht ausreichend schlecht genug, um manche Aspekte meines Lebens zu verändern. ]
Was mir den Verdacht aufdrängt, dass dahinter ein System steckt...
Als habe die Natur - oder die göttliche Kraft - das so vorgesehen. Möglicherweise ein struktureller Mangel im allumfassenden System, welches ich Welt oder Universum nenne, oder wohl doch eher Methode des Systems, sich selbst voranzutreiben, sukkzessive zu verbessern?
Auf einer Metaebene gedacht würde das bedeuten, dass es so etwas wie eine soziale Evolution gibt.
Ich bin vorsichtig mit der Niederschrift und Aussprache dieser Gedankengänge, welche durch die massive Vereinfachung der tatsächlichen, realen Komplexität extrem fehleranfällig sind und ein Risiko der Fehlinterpretation in eine Richtung, auf die ich überhaupt nicht abziele, mit sich bringen. Nämlich in die Richtung, in der Menschengruppen gegeneinander abgewogen werden und somit auf- oder abgewertet werden. Es liegt mir fern zu beurteilen, was allgemein gut oder schlecht ist, weil ich nicht an die Allgemeingültigkeit dieser Begriffe glaube. Ich will lediglich Fragen aufwerfen und bin mir bewusst, dass jegliche Antwort, die ich gebe, nur ein Schnappschuss meiner momentanen Sichtweise sein kann, nichts weiter. Ich will mir selbst klarer über mein heranreifendes Theorie-Gebilde werden. Deshalb gehe ich das Risiko ein, mit dem deutlichen Hinweis, dass ich nur eine Variable von vielen darstelle!
Mit sozialer Evolution meine ich, dass die Prinzipien Darwins bezüglich der biologischen Evolution - insbesondere natürliche Selektion und vielleicht auch (spontane) Mutationen - auf die soziale Ebene übertragbar sein könnten. Wer ist bei der PartnerInnen-Suche erfolgreich, pflanzt sich fort und bekommt so die Gelegenheit, neben seinen Genen auch seine Werte, Glaubenssätze, Ziele, Problem-Themen, Fähigkeiten (also quasi das "soziale Vermächtnis" und zwar unabhängig davon, ob all dies bewusst ist oder nicht) an nachfolgende Generationen weiterzugeben und dadurch mit-zu-beeinflussen, in welche Richtung das soziale Umfeld, der Staat, die Gesellschaft, die Menschheit sich entwickelt? Wer nicht und warum nicht?
Nachkommen in die Welt zu setzen ist natürlich nicht die einzige Möglichkeit, Einluss zu nehmen, aber mit Sicherheit eine der effektivsten und nachhaltigsten. Auch ich fühle mich auf der einen Seite gewissermaßen verpflichtet, diesen Beitrag zur Welt zu leisten. Auf der anderen Seite sehe ich meine Wahlfreiheit, mich dafür oder dagegen zu entscheiden, und gegebenenfalls die notwendigen Bedingungen festzulegen und herzustellen. Nachkommen werden natürlich nicht ausschließlich von den Eltern bzw. Bezugspersonen "geprägt", es gibt auch andere Einflüsse, aber - so trivial das klingen mag, weil einfach so naheliegend - bei den meisten Menschen der wesentlichste. Es steht außer Frage, dass jedes Neugeborene eine eigene Persönlichkeit mitbringt und ein eigenständiges Individuum ist mit dem Recht auf Entfaltung seines Potentials. Wie wahrscheinlich immer handelt es sich hier um Wechselwirkungen vieler verschiedener Variablen mit unterschiedlicher Gewichtung, wie sich ein Kind entwickelt: Kind, Eltern, äußere Umstände, Ereignisse, soziales Umfeld...
Zugleich wird durch die hohe Fruchtbarkeit und den starken Fortpflanzungstrieb des Menschen (siehe mein erster Blogeintrag) nicht wirklich verhindert, dass Menschen Kinder kriegen, die aus verschiedenen Gründen eigentlich keine wollen und/oder nicht über die notwendigen Ressourcen verfügen, sie großzuziehen. Was im Widerspruch zu "meiner Theorie" steht. Wenn es nach der Natur ginge, würde jede/r sich fortpflanzen, unabhängig von persönlichem Kinderwunsch.
Das wirft die Frage auf, ob einzig und allein die Natur "dahintersteckt", oder etwa eine höhere Macht oder gar ein Master-Plan?
Denn: Unsere Gesellschaft unterscheidet sich da meiner Meinung nach stark von anderen, vor allem auch früheren. Ich bilde mir sogar - vielleicht in meiner nur-ein-Kind-meiner-Zeit-Tunnelblick-Naivität - ein, dass sie einen noch-nie-dagewesenen Sonderstatus einnimmt. Warum entscheiden sich viele Menschen (und das nicht nur mangels Gelegenheiten) dafür, keine Kinder zu bekommen? Welche Arten von Menschen tun das? Wie beeinflusst das die Gesellschaft, wenn diese Menschen sich nicht fortpflanzen und in welche Richtung verändert sie sich dadurch? Ich denke an das - wiederum recht vereinfachte - Sinnbild eines Systems: Ein hochkomplex gewebtes Netz - jeder einzelne Knotenpunkt des Netz stellt ein Individuum mit seinen eigenen Mustern, Herausforderungen und Lernaufgaben dar. Das nähere Umfeld wird stark beeinflusst von den Handlungen des jeweiligen Knotenpunkts und umgekehrt, es kommt zu Wechselwirkungen und eigenwillige Dynamiken. Das gesamte Netz spiegelt ein unendliches und unsagbar komplexes Mosaik wider - die Menschheit - gestern, heute, morgen. Jeder Knotenpunkt befindet sich (an dem ihm zugewiesenen?) seinen Platz, den er einnimmt, ob er ihn sich ausgesucht hat oder nicht, ob er will oder nicht, ob er sich entscheidet, ihn wie ihm bestimmt auszufüllen oder für Unruhe im System zu sorgen. :-)
Warum klingt alles, was ich heute Abend schreibe, so banal? Und so religiös angehaucht? Ich denke mir: "Wer stellt sich angesichts der Komplexität der Schöpfung (die ja aus unsagbar viel mehr als "nur" aus uns Menschen besteht) / der Welt / des Universums [ Bezeichnung Deiner Wahl einsetzen ] keine spirituellen Fragen?" Vielleicht werde ich durch zunehmende Lebenserfahrung und Horizont-Erweiterung durch gewolltes Dazu-Lernen im Laufe meines Lebens einen immer besseren Zugang zu meiner spirituellen Seite finden? Ich vermute ja schon lange, dass meine Suche nach Wahrheftigkeit untrennbar damit verbunden sein könnte...
Banal und naiv oder nicht, für mich bleibt es mit Sicherheit weiterhin spannend...
Gute Nacht!
SonRisEva
Sonntag, 1. Juli 2007
Nomen est Omen!
Ich bin davon überzeugt: Worte gestalten die Welt mit, und nicht nur die Wahrnehmung der Realität!
Der Name, den wir unseren (symbolischen und tatsächlichen) Kindern geben, bestimmt mit, wie sie sich entwickeln werden.
Die Dinge beim Namen zu nennen, verdeutlicht die dahinterstehenden Ziele.
Tatsache.
Der Name, den wir unseren (symbolischen und tatsächlichen) Kindern geben, bestimmt mit, wie sie sich entwickeln werden.
Die Dinge beim Namen zu nennen, verdeutlicht die dahinterstehenden Ziele.
Tatsache.
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