Sonntag, 22. Januar 2012

Transzendentale Wege



aus "Jolande Jacobi (1953): Die Psychologie von C. G. Jung: Eine Einführung in das Gesamtwerk. Fischer Frankfurt. 20., Aufl.(August 2003)

Zitate von Jung unter Anführungszeichen

Die Einsamkeit und Verwirrung des modernen Menschen aufzuheben, seine Einbettung in den großen Lebensstrom zur ermöglichen, ihn zu einer Ganzheit, die seine lichte Bewußtseinsseite zur dunklen des Unbewußten wissend und wollend rückverbindet, zu verhelfen - ist Sinn und Zweck der Jungschen Seelenführung. (Seite 56)

Jeder Seelenführer kann den von ihm Geleiteten nur soweit bringen, als er selbst gekommen ist. (S.73)



So wird unter Umständen die Neurose selbst zum Anreiz für den Kampf um die Ganzheit der Persönlichkeit, die für Jung Aufgabe und Ziel zugleich und das höchstmögliche dem Menschen zugängliche Erdenheil bildet. (S. 107)

"Alles Lebendige ist Energie und beruht daher auf Gegensätzlichkeit. ... Nicht eine Konversion ins Gegenteil, sondern eine Erhaltung der früheren Werte zusammen mit einer Enerkennung ihres Gegenteils" ist das erstrebenswerte Ziel. (S.58)
"Die Psyche ist ein System mit Selbstregulierung. Es gibt kein Gleichgewicht und kein System mit Selbstregulierung ohne Gegensatz." (S.58)



Die einseitige vernünftige Einstellung des Bewusstseins muß, trotz ihrer unleugbaren Erfolge, als unangepasst und lebenswidrig angesehen werden. (S.83)



Das Unbewusste hingegen "ist dieser ich-bezogenen Zielstrebigkeit gegenüber indifferent und von der unpersönlichen Objektivität der Natur", deren einziger Zweck die Erhaltung der ungestörten Kontinuität des psychischen Ablaufs ist; also eine Abwehr gegen jene Einsitigkeit, die zu Isolierung, zu Stauung oder zu enderen krankheitsbildenden Phänomenen führen könnte. Zugleich wirkt es auch - zumeisrt aus uns unerkennbaren Wegen - im Sinne einer Zielstrebigkeit, die auf die Vervollständigkung der Psyche, auf ihre Abrundung zu einer "Ganzheit" ausgerichtet ist. (S.44)

"Jedermann ist gefolgt von einem Schatten, aber je weniger dieser im bewußten Leben des Individuums verkörpert ist, umso schwärzer und dicher ist er." (S.114)



Damit wird die Selbstverwirklichung sowohl im allerpersönlichsten individuellen als auch im außerpersönlich-kollektiven Bezug zu einer moralischen Entscheidung, und diese ist es, die ihre Kräfte dem Prozeß der Selbstwerdung leiht, den Jung den Individuationsweg nennt. Selbsterforschung und Selbstverwirklichung ist daher - oder vielmehr sollte es sein! - die unerläßliche Voraussetzung für die Übernahme höherer Verpflichtung, und wäre es auch nur die, den Sinn des individuellen Lebens in bestmöglicher Form und in größtem Umfang zu verwirklichen, was die Natur ja immer tut, allerdings ohne die Verantwortung, welche die schicksalsmäßige und göttliche Bestimmung des Menschen ist. "Individuation" bedeutet: "Zum Einzelwesen werden, und insofern wie unter Individualität unsere innerste, letzte, unvergleichliche Einzigartigkeit verstehen, zum eigenen Selbst werden." Individuation bedeutet jedoch keineswegs Individualismus im anden, egozentrischen Sinn dieses Wortes, denn die Individuation macht den Menschen nur zu dem Einzelwesen, das er ohnehin ist. Er wird aber dadurch nicht selbstisch, sondern erfüllt nur seine Eigenart, was mit Egoismus und Individualismus nicht verwechselt werden darf. Seine errungene Ganzheit ist durch Bewußtes und Unbewußtes als Einzel- wie als Kollektivwesen auf das Ganze der Welt bezogen. Das bedeutet aber nicht ein individualistisches Betonen der vermeintlichen Eigenart im Gegensatz zu kollektiven Verpflichtungen, sondern die Erfüllung dieser Eigenart innerhalb ihrer Einordnung in ein Ganzes." (s.108)



Selbstwerdung ist somit kein modisches Experiment, sondern die höchste Aufgabe, die sich der einzelne Mensch stellen kann. Sich selbst gegenüber bedeutet sie die Verankerungsmöglichkeiten im Unzerstörbar-Unvergänglichen, in der Urnatur des Objektiv-Psychischen. Dadurch stellt sich der Einzelne wieder hinein in den ewigen Strom, in dem Geburt und Tod nur Durchgangsstationen sind und der Sinn des Lebens nicht mehr im Ich liegt. Dem Du gegenüber bringt sie in ihm jene Toleranz
und Güte herauf, die nur derjenige zu leisten vermag, der seine eigene dunkelste Tiefe durchforscht und bewußt erlebt hat. Und dem Kollektiv gegenüber besteht ihr besonderer Wert darin, daß sie ihm jenen vollverantwortlichen Menschen entgegenzustellen imstande ist, der von der verpflichtenden Bezogenheit alles Einzelnen zum Allgemeinen aus der persönlichsten Erfahrung seiner psychischen Totalität weiß. (S.149)



Anstatt zum Erdachten-Wissen, das dem Glauben wesensfremd ist, führt der Individuationsprozeß zu einem Erfahrungs-Wissen, dessen Gültigkeit und Realität wirklich erlebt und darum zur Gewißheit geworden und unerschütterlich ist. (S.146-147)



Auch hier müssen wir, wie beim Schatten und überhaupt bei allen unbewußten Inhalten, zwischen einer inneren und einer äußeren Erscheinungsform von Animus und Anima unterscheiden. Der inneren begegnen wir in unseren Träumen, Phantasien, Visionen u.a. Material des Unbewußten, wo sie einzeln oder zugleich einem ganzen Bündel von gegengeschlechtlichen Zügen unserer Psyche Ausdruck verleihen; der äußern jedoch, wenn ein Mensch des anderen Geschlechtes aus unserer Umwelt zum Projektionsträger nur eines Stückes unserer unbewußten Psyche oder unseres ganzen unbewußten Seelenanteils wird und wir nur nicht merken, daß es gleichsam unser eigenes Innere ist, das uns derart von außen entgegentritt. (S.116)



Der kranke oder auch der bloß sinnentleerte Mensch steht zumeist vor Problemen, mit denen er vergeblich ringt. Denn "die größten und wichtigsten Probleme sind im Grunde genommen alle unlösbar; sie müssen es auch sein, weil sie die notwendige Polarität ausdrücken, welche jedem selbstregulierenden System immanent ist. Sie können nie gelöst, sondern nur überwachsen werden... Dieses Überwachsen der persönlichen Probleme des Individuums stellte sich aber als eine Niveau-Erhöhung des Bewußtseins heraus. Irgendein höheres und weiteres Interesse trat in den Gesichtskreis, und durch diese Erweiterung des Horizont verlor das unlösbare Problem die Dringlichkeit, Es wurde nicht in sich selber logisch gelöst, sondern verblasste gegenüber einer neuen und stärkeren Lebensrichtung. Es wurde nicht verdrängt und unbewusst gemacht, sondern erschien bloß in einem anderen Lichte, und so wurde es auch anders. Was auf tieferer Stufe Anlass zu den wildesten Konflikten und zu panischen Affektstürmen gegeben hätte, erschien nun, vom höheren Niveau der Persönlichkeit betrachtet, wie ein Talgewitter vom Gipfel eines hohen Berges aus gesehen. Damit ist dem Gewittersturm nichts von seiner Wirklichkeit genommen, aber man ist nicht mehr darin, sondern darüber." (S.134)

Montag, 2. Januar 2012

EVAHRUNGSWERTE 2011



Eva's Best 2011

01 Revenge - Sparklehorse
02 I don‘t want Love - The Antlers
03 Down by the water - The Decemberists
04 The Words that maketh Murder - PJ Harvey
05 Miss You - The Rapture
06 Beat and the Pulse - Austra
07 Get Some - Lykke Li
08 TMRW - Jamie Woon
09 Plaything - Wild Beasts
10 Goshen - Beirut
11 Undertow - Warpaint
12 Monkey (You can go home) - Dear Reader
13 These Days - Foo Fighters
14 Bulletproof Skin - Institute
15 Ghost - dEUS
16 Especially Me - Low
17 Lotus Flower - Radiohead
18 Comfort Me - Feist