Freitag, 28. Dezember 2007

Evas Best 2007


Meine Albencharts 2007

  1. Modest Mouse - We were dead before the ship even sank
  2. Interpol - Our love to admire
  3. Radiohead - In Rainbows
  4. Feist - The Reminder
  5. Tocotronic - Kapitulation
  6. Maximo Park - Our earthly pleasures
  7. Editors - An end has a start
  8. The cinematics - A strange education
  9. Cold War Kids - Robbers and Cowards
  10. The Klaxons - Myths of the near future
  11. Bloc Party - A weekend in the city
  12. Okkervil River - The Stage Names
  13. Oceansize - Frames
  14. Eagle Seagull - Eagle Seagull
  15. Beirut - The flying club cup
  16. Nine Inch Nails - Year Zero
  17. PJ Harvey - White Chalk
  18. And you will know us by the trail of dead - So divided
  19. IAMX - The Alternative (2006)
  20. Voxtrot - Voxtrot
  21. Low - Drums and Guns
  22. Babyshambles - Shotter's Nation
  23. Arcade Fire - Neon Bible
  24. Get Cape. Wear Cape. Fly - Chronicles of a Bohemian Teenager
Modest Mouse ist für mich das Album des Jahres, daher hat es es sogar vor Interpol geschafft. Ich staune selbst.


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Abgesehen der besten Lieder obiger Alben, hier noch, ohne Reihung:

Meine Lieblingslieder 2007 (Auswahl):

Best of CDs A&B:

Oceansize - Commemorative T-Shirt
Bloc Party - The Prayer
Radiohead - Jigsaw falling into place
Beirut - Nantes
Stefan Bürgermeister - My so called Friend
Ben Harper - Fight outta you
Jose Gonzalez - Heartbeats
Feist - My Moon my man
Okkervil river - a girl in port
tocotronic - mein ruin
Editors - Smokers Outside The Hospital Doors
ColdWar kids - hospital beds
klaxons - golden skanks
the cinematics - human
maximo park - our velocity
PJ Harvey - The Devil
voxtrot - kid gloves
justice vs simian - we are your friends
soap & skin - spiracle
interpol - pioneer to the falls


sowie (nicht alle 2007 erschienen):


Hard Fi - Move on
Mando Diao - All my Senses
Mercedes Sosa - Todo Cambia
Joanna Newsom - Emily
Nine Inch Nails - Something I Can Never Have
U2 - Still haven't found what I'm looking for
Kanye West - Gold digger
John Denver - Leaving on a jetplane
Harlem Underground Band - Ain't No Sunshine
Anathema - A Natural Disaster
Anathema - Are You There
De Rosa - Evelyn
The Divine Comedy - Diva Lady


Ich würde sagen, es war ein gutes musikalisches Jahr. :-)


Freitag, 7. Dezember 2007

geschummelter Definitions-Versuch Glück, mit Augenzwinkern

Glück ist ein Zustand vollkommener körperlicher, geistiger und sozialer Zufriedenheit und nicht allein das Fehlen von Problemen und Unglück.

Sonntag, 18. November 2007

pace is the trick


the perfect book

was soll ich davon halten, dass mich in den letzten tagen immer mehr der drang überkommt, die ereignisse und inhalte meines lebens zu dokumentieren, kategorisieren und archivieren?
passend hierfür habe ich ein neues buch angefangen, mein so genanntes Eva/Lebensbuch... (siehe oben)
mal sehen, womit ich es tatsächlich füllen werde.



the perfect dress

Montag, 29. Oktober 2007

Coloureyzed

SpiracleZ - passende und verpasste gelegenheiten

Credits an das diesjährige elevate festival.

www.elevate.at

auch wenn ich nur sehr marginal daran "teilgenommen" habe, hat es einen bleibenden eindruck hinterlassen und mich wiederum ein bisschen inspiriert (aber nicht so sehr wie der besuch von jimmy wales, seines zeichens wikipedia-gründer, vor 2 jahren, damals war ich regelrecht beflügelt). ich finde bemerkenswert und gelungen, was hier in graz jedes jahr auf die beine gestellt wird - in jeglicher hinsicht: vom vielschichtigen grundgedanken her (kombination von zeitgenössischer kunst und aktuellen politischen themen), von der auswahl der musikalischen (wobei ich da nicht so mitreden kann, da ich im allgemeinen wenig zugang zu elektronischer musik habe, man möge mir diese stümperhafte schubladen bezeichnung für das musikalische programm nachsehen) und politischen/inhaltlichen "gäste", sowie von der (technischen und organisatorischen) umsetzung her.
wie in meinem lebensalltag habe ich auch hier den größten teil verpasst, aber doch einige relevante und wichtige ausschnitte für mich mitnehmen können. wie bei jeder entscheidung für etwas, habe ich mich zugleich gegen etwas anderes entschieden. wie immer konnte ich zwar nicht alles haben, aber was ich hatte war alles andere als nichts.

verzaubert hat mich im rahmen dessen insbesondere der auftritt folgender 17-jähriger künstlerin anja plaschg aus österreich, von der wir noch viel hören werden, wie ich wette.
www.myspace.com/soapandskin
insbesondere das lied spiracle...

zu mehr reichts nach den letzen tagen voller trubel nicht... auch wenn es reizvoll wäre, mal aus dokumentarischen gründen festzuhalten, mit was ich mein leben so alles (voll-)fülle (in beliebiger reihenfolge etwa begegnungen, arbeit, events, besuche... aufs und abs) und welche aspekte darüber keinen platz finden (in beliebiger reihenfolge haushalt, kunst, innehalten, zielarbeit...).
all die widersprüche, ambivalenzen, doppelbödigkeiten, scheine, vorhänge, schleier, die unfassbare komplexität, unerreichbarkeit der perfektion, unerfüllbarkeit von sehn-süchten, unkontrollierbarkeit von ereignissen und unabänderlichkeit der vergänglichkeit stören mich - auch wenn ich mir ihrer gewahr bin - erstaunlich wenig. ich schaue sie an und nicke ihnen freundlich zu. leben und leben lassen lautet hier vielleicht das motto des abends.

heute abend jedenfalls bin ich satt und zufrieden und und und unrund und erwartungsvoll zugleich.

also "nichts und alles" oder "alles und nichts".

SonRisEvA

Montag, 15. Oktober 2007

Wir müssen durch den Spiegel gehen...

"Das Zauber-Spiegel-Tor ... ist sowohl offen als auch geschlossen. Hört sich verrückt an, wie? Vielleicht sagt man besser, es ist weder geschlossen noch offen. Obwohl es dadurch nicht weniger verrückt wird. ... Jedenfalls, wenn man davor steht, dann sieht man sich selbst. Man sieht nicht sein Äußeres, sondern man sieht sein wahres inneres Wesen, so wie es in Wirklichkeit beschaffen ist. Wer da durch will, der muss - um es mal so auszudrücken - in sich selbst hineingehen." (aus: Die unendliche Geschichte, Michael Ende)

Sonntag, 9. September 2007

Teufels-Kreis?

Ich habe vor geraumer Zeit darum gebeten, meine Schattenseiten kennenlernen und integrieren zu können.

Nun, da sie meinem Wunsch folgen und eine nach der anderen in Erscheinung treten und an meine Tür klopfen, stehen wir uns gelangweilt gegenüber, wie entfernte Verwandte aus verschiedenen Lebenswelten, die sich lange nicht mehr gesehen und nichts mehr zu sagen haben. Die Begegnungen sind geprägt von offenkundigem, gleichgültigem, gegenseitigem Desinteresse.

Zeitgleich, an einem anderen Schauplatz, drängt sich eine Persona, welche die Maske der Abenteuerlust vor ihr Gesicht hält, voll kindlichem Eifer in den Vordergrund. Vielleicht ein Manöver, um vom eigentlich Wesentlichen abzulenken? Wer ist diese Verwirrungs-Stifterin?
Im Ärmel der Schwindlerin stecken einige verlockende Trümpfe: Wenn ich ihre Spielkameradin werde, winken mir Spass, Leichtigkeit, Nervenkitzel und Verantwortungs-losigkeit als Belohnungen. Während ich geneigt bin, mich auf ihr Spiel einzulassen, pocht in meinem Kopf die immer-gleiche Frage der Souffleuse: "Wer steckt da-hinter? Wer steckt da-hinter? Wer steckt da-hinter?"

Mir dämmert, dass es sich hierbei um einen Sabotage-Akt handeln muss... Definitiv ein Ablenkungsmanöver, eine Degradierung eines Haupt- zu einem Nebenschauplatz. Was, wenn eben jene Persona in Wirklichkeit die Hauptrolle beim un-liebsamen Verwandtschaftstreffen spielt?

Und: Nennt sich dieses Spiel nicht <Teufelskreis>?

Die wilde Frau

Dieses Bild verkörpert eine Kraft, nennen wir sie "die wilde Frau" - Symbol für die wilde weiblichkeit, welche es gilt zu erforschen.

Mittwoch, 5. September 2007

Souvenir aus London

Ich musste wohl 28 Jahre alt werden, bis ich nicht mehr so sehr mit meiner eigenen Unsicherheit beschäftigt bin, um bei anderen Menschen deren Unsicherheiten wahrnehmen zu können.

Mittwoch, 22. August 2007

Wolf muss tun, was ein Wolf tun muss...

Ich frage mich, wie ich jemals in Betracht ziehen konnte, dass es für mich irgendeinen annähernd gleich wesentlichen Inhalt im Leben geben kann, wie soziale Beziehungen zu geliebten Menschen?


Mit freundlichen Grüßen an mein Rudel!

Montag, 23. Juli 2007

Mein Rock-Musik-Outing: Paradigmen-Wechsel & Paradoxon

Mit Wehmut nehme ich in den letzen Monaten wahr, dass sich der alternative Indie-Musik-Mainstream (was für eine herrlich paradoxe und zugleich wahre Wort-Kreation) wandelt, weg vom handgemachten Rock hin zu elektronischen Klängen. Ich erleide erschütternde Flashbacks zurück zu den Dürre-Zeiten zwischen Grunge und den Strokes, als etwa auf FM4 (man mag von dem Sender ja halten was man will, ich für meine Teil bin bescheiden und froh, dass es eine handvoll Radiosender wie diesen in Österreich gibt, die man ohne Bedenken und regelmäßige Schauer kalten Grausens einschalten kann) keinerlei Rockmusik nach meinem Geschmack gespielt wurde, weil auch kaum Rockmusik zugänglich oder "populär" war - das waren die Zeiten des Nu Metal, mehr brauch ich dazu wohl nicht zu sagen. Oh Gott, mir kommt gerade, wie furchtbar konservativ das ist, was ich hier und heute schreibe und das beste Zeichen dafür, dass ich den Anschluss zur Jugendkultur verliere, hehe... ;-)
Wieauchimmer, ich bin schon lange der Meinung, dass Menschen, die auf die Frage, welche Musikrichtung sie mögen, antworten "Eigentlich ALLES." (eventuell noch freundlicherweise eingeschränkt durch einen Zusatz wie "bis auf Volksmusik / Schlager / Techno") - quer durch das Gemüsebeet; also quasi egal, was - mir von vorneherein ungeheuer sind. Ja, das ist defintiv ein Vor-Urteil im klassischen Sinne, ich bin quasi eine un-offene Musik-Kastl-Denkerin, und dazu stehe ich auch. *g*
Musik ist mir einfach sehr wichtig, auch wenn ich ab und zu in die Manie kippe, was das Thema angeht, aber diese Leidenschaft und das Gefühl, von (vor allem magischen Live-)Klängen mitgerissen, berührt, bewegt und beflügelt zu werden, möchte ich in meinem Leben keinesfalls missen. Egal wie jung oder alt ich bin.
Ich sehs ja auch gelassen und bin recht beruhigt, dass ich eine weitere jahrelange dunkle Phase ohne Gitarren-Musik unbeschadet überleben werde. Erstens, weil es auch in der tiefsten musikalischen Dunkelheit wieder bekannte Lichtblicke geben wird (zuletzt war das MUSE und sonst eigentlich kaum was). Zweitens, weil es dank des Internets inzwischen möglich ist, an Musik nach persönlichem Geschmack zu kommen, egal ob diese gerade komerziell gefragt oder erfolgreich ist oder nicht. Drittens, weil es "da draußen" jetzt schon so viel meiner Meinung nach gute Musik mehr gibt, die nur darauf wartet, von mir entdeckt zu werden, und sei es ein paar Jahre danach, mehr als sich in diesem Leben jemals ausgehen wird. Ja, ich gebe es hiermit ehrlich zu, dass ich mich sehr leicht für Musik begeistern kann, wenn sie gewisse Kriterien erfüllt und da relativ unkritisch bin. Ich bin also nicht viel anders, als oben erwähnte Menschen, die ALLES mögen, hehe.

Musik ist übrigens die einzige Gemeinsamkeit aller Menschen, die ich (abseits einer Schwäche für die lebenswichtigen Dinge wie Essen, Trinken und Zwischenmenschlichkeit) unabhängig von Kultur, Bildungstand, Familienherkunft, Geschlecht und Alter bisher entdecken konnte - was mich sogleich dazu veranlasst hat, Musik auch als überlebenswichtig für Menschen zu klassifizieren. :-)

Ich bin sehr dankbar für die letzten, sehr fruchtbaren Jahre wundervoller musikalischer Kreativität, die ich so hautnah miterlebt habe. In diesem Fall bin ich sehr gerne ein Kind meiner Zeit. Ich habe fast ausnahmslos alle KünstlerInnen und Bands live gesehen, die noch unter den lebenden weilen, mich wirklich interessieren und mir am Herzen liegen. Wer kann das schon von sich behaupten?
Jim Morrison meinte seinerzeit zwar sinngemäß: "Wenn sich eine (Jugend-)Bewegung ihrer selbst bewusst wird, ist das das Zeichen dafür, dass sie vorüber ist." Wenn das auf meine aktive Teilnahme an der Welt der mehr oder weniger blühenden Rockmusik zutrifft, so nehm ich das in Kauf, weil ich diese Phase meines Lebens keinesfalls missen möchte. Ich war nie Teil einer Jugendbewegung und ich werde auch keiner mehr sein, weil ich nicht mehr im klassichen Sinne jugendlich bin. Aber was ich erlebt habe und mir immer noch offensteht, weiterhin zu erleben, ist mir ohnehin 1000 Mal lieber. Und irgendwie hab ich da so ein Gefühl, dass ich das nicht so bald ändern werde.

Die einzige "Entschuldigung", die ich vor mir selbst gelten lassen würde, wenn ich mich von dem tendentiell exzessiven Musik-Konsum bzw Musik-Genuss abwenden würde, wäre, selbst Musik zu machen. Dazu bin ich einstweilen jedoch noch zu gehemmt und un-willig. Aus mir bisher unerfindlichen oder besser gesagt noch-nicht-in-den-Griff-bekommenen Gründen (eine Ahnung, womit das zu tun hat, habe ich nämlich sehr wohl), habe ich mich den Hindernissen auf dem Weg, aktiv als Künstlerin zu leben, dh meine Kreativität auf musikalische oder andere Weise auszuleben, noch nicht gestellt bzw. noch nicht die richtigen Konsequenzen aus den vorhandenen Hindernissen gezogen. Wobei es natürlich nicht zufällig ist, dass ich mich so für das Talent und die Schöpfungen anderer Menschen begeistern kann. Diesbezüglich liegt noch sehr viel Arbeit vor mir und ich frage mich, warum ich in den letzen Woche alles daran setze, Fortschritte auf diesem Weg zu verhindern. Ich beobachte mein Verhalten und sehe tatenlos dabei zu, wie ich vieles bemerkterweise falsch mache. Offenbar brauche ich es paradoxerweise, 10 Schritte zurückzugehen, um 1 kleinen Schritt nach vorne gehen zu können. Ich fühle mich schon seit Jahren, vielleicht seit der Pubertät, kreativ schwanger, und genausolange schiebe ich "die Geburt" vor mir her. Ich frage mich, wovor ich solche Angst habe. Vielleicht vor meiner eigenen Brut? (Was ja bei dieser bildlichen Embryo-Metapher kein Wunder wäre) ;-)

Es gibt ein Buch, das mir trotz der momentanen bewussten Fehler, die ich mache, grundsätzlich geholfen hat, mehr über meine kreative Blockade zu erfahren und ich sehr empfehlenswert finde: "
Der Weg des Künstlers. Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität " von Julia Cameron

Nicht gerade ein Zeichen von Intelligenz, wissentlich einiges falsch zu machen, obwohl ich genau weiß, was und wie ich es besser machen könnte, nicht wahr? Aber wohl auch eine Form von Freiheit oder Privileg, die ich habe (aber nicht genieße, denn glücklich machen solche Um- und Flucht-Wege keinesfalls) und aus-nutze. Mit Logik hat das alles jedenfalls nix zu tun...

SonRisEvA

Sonntag, 8. Juli 2007

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Leider bin ich schlecht mit dem Merken von Namen [und noch schlechter: von Gesichtern - und das als Psychologin ;-) ], was sich auch in der Tatsache niederschlägt, dass ich mir nicht gemerkt habe, von wem ich - sinngemäß - vor einiger Zeit folgende Aussage in einem Interview in einer Zeitschrift gelesen habe: "Egal, welch tragische Kindheit und furchtbare Eltern man hatte, irgendwann kommt der Tag, an dem man selbst dafür verantwortlich ist, über sein Leben zu bestimmen." Wie sich vielleicht auch hier widerspiegelt, hadere ich selbst ja damit [ und ich habe wenig objektive Tragik erlebt und sehr bemühte Eltern gehabt ] und langeweile mich selbst auch schon ab und zu mit dem Thema...

Dass wir Menschen einerseits ein Wunderwerk sind setze ich als bekannt voraus.
Ich denke oft darüber nach, wie mangelhaft wir Menschen andererseits doch sind. Jede/r Einzelne von uns kommt mit massiven Mängeln und/oder Schäden im Erwachsenenalter an, seien es Selbstwertmängel, Suchtverhalten, schädigende Partnerwahl-Muster, Beziehungsängste, ... Die Liste ließe sich noch lange fortführen. Zumindest ich kenne niemanden, der/die die Kindheit/Jugend völlig unbeschadet überstanden hat, und ich lebe relativ gesehen in einem Land der Seligen. Offenbar sind uns Enttäuschungen, Kränkungen, Leid, Frustration, Verletzungen von Kindesalter an vorbestimmt, selbst wenn das soziale Umfeld noch so bemüht ist, die "harte Realität" abzufedern. Die erähnten Mangelerscheinungen sind bedingt durch zu wenig Liebe, Aufmerksamkeit, Bestätigung, Ermutigung, Werte, Stabilität, ... - und sie füllen wohl die diversen Psychotherapie-Lerhbücher. Nicht nur unsere Persönlichkeit und Verhaltensmuster, sondern auch unsere Problem-Muster werden von der Herkunftsfamilie bzw frühern sozialen Erfahrungen geprägt. Die Mangelhaftigkeit unserer Eltern und Vorfahren überträgt sich auf uns Nachfahren. (Freilich die Errungenschaften gleichermaßen!)

Dazu fällt mir ein anderes, grundsätzlich wenig interessantes Interview ein, das ich im Fernsehen gesehen habe, mit dem Autor des Buchs "Glück! - Eine etwas andere Gebrauchsanweisung", Wolf Schneider. Dieser postuliert darin, dass selbiges nur aus dem Kontrast heraus entstehen kann, etwas der Genuss eines Essens nach eine Phase von Hunger. So quasi: Kein Genuss ohne vorangegangenen Verzicht.

Findet sich darin eine Analogie zum oben erwähnten Lebens-Konzept? Erst aus dem Mangel und Leid heraus entsteht das Streben nach Verbesserung der eigenen Lebenssituation und nach Glück, und damit verbunden die Bereitschaft, sein Leben in die Hand zu nehmen, an sich zu arbeiten und etwas wirklich zu verändern. So quasi: Kein Glück ohne vorangegangenen Leidesdruck? [ So gesehen geht es mir wohl einfach noch nicht ausreichend schlecht genug, um manche Aspekte meines Lebens zu verändern. ]

Was mir den Verdacht aufdrängt, dass dahinter ein System steckt...
Als habe die Natur - oder die göttliche Kraft - das so vorgesehen. Möglicherweise ein struktureller Mangel im allumfassenden System, welches ich Welt oder Universum nenne, oder wohl doch eher Methode des Systems, sich selbst voranzutreiben, sukkzessive zu verbessern?

Auf einer Metaebene gedacht würde das bedeuten, dass es so etwas wie eine soziale Evolution gibt.
Ich bin vorsichtig mit der Niederschrift und Aussprache dieser Gedankengänge, welche durch die massive Vereinfachung der tatsächlichen, realen Komplexität extrem fehleranfällig sind und ein Risiko der Fehlinterpretation in eine Richtung, auf die ich überhaupt nicht abziele, mit sich bringen. Nämlich in die Richtung, in der Menschengruppen gegeneinander abgewogen werden und somit auf- oder abgewertet werden. Es liegt mir fern zu beurteilen, was allgemein gut oder schlecht ist, weil ich nicht an die Allgemeingültigkeit dieser Begriffe glaube. Ich will lediglich Fragen aufwerfen und bin mir bewusst, dass jegliche Antwort, die ich gebe, nur ein Schnappschuss meiner momentanen Sichtweise sein kann, nichts weiter. Ich will mir selbst klarer über mein heranreifendes Theorie-Gebilde werden. Deshalb gehe ich das Risiko ein, mit dem deutlichen Hinweis, dass ich nur eine Variable von vielen darstelle!

Mit sozialer Evolution meine ich, dass die Prinzipien Darwins bezüglich der biologischen Evolution - insbesondere natürliche Selektion und vielleicht auch (spontane) Mutationen - auf die soziale Ebene übertragbar sein könnten. Wer ist bei der PartnerInnen-Suche erfolgreich, pflanzt sich fort und bekommt so die Gelegenheit, neben seinen Genen auch seine Werte, Glaubenssätze, Ziele, Problem-Themen, Fähigkeiten (also quasi das "soziale Vermächtnis" und zwar unabhängig davon, ob all dies bewusst ist oder nicht) an nachfolgende Generationen weiterzugeben und dadurch mit-zu-beeinflussen, in welche Richtung das soziale Umfeld, der Staat, die Gesellschaft, die Menschheit sich entwickelt? Wer nicht und warum nicht?
Nachkommen in die Welt zu setzen ist natürlich nicht die einzige Möglichkeit, Einluss zu nehmen, aber mit Sicherheit eine der effektivsten und nachhaltigsten. Auch ich fühle mich auf der einen Seite gewissermaßen verpflichtet, diesen Beitrag zur Welt zu leisten. Auf der anderen Seite sehe ich meine Wahlfreiheit, mich dafür oder dagegen zu entscheiden, und gegebenenfalls die notwendigen Bedingungen festzulegen und herzustellen. Nachkommen werden natürlich nicht ausschließlich von den Eltern bzw. Bezugspersonen "geprägt", es gibt auch andere Einflüsse, aber - so trivial das klingen mag, weil einfach so naheliegend - bei den meisten Menschen der wesentlichste. Es steht außer Frage, dass jedes Neugeborene eine eigene Persönlichkeit mitbringt und ein eigenständiges Individuum ist mit dem Recht auf Entfaltung seines Potentials. Wie wahrscheinlich immer handelt es sich hier um Wechselwirkungen vieler verschiedener Variablen mit unterschiedlicher Gewichtung, wie sich ein Kind entwickelt: Kind, Eltern, äußere Umstände, Ereignisse, soziales Umfeld...

Zugleich wird durch die hohe Fruchtbarkeit und den starken Fortpflanzungstrieb des Menschen (siehe mein erster Blogeintrag) nicht wirklich verhindert, dass Menschen Kinder kriegen, die aus verschiedenen Gründen eigentlich keine wollen und/oder nicht über die notwendigen Ressourcen verfügen, sie großzuziehen. Was im Widerspruch zu "meiner Theorie" steht. Wenn es nach der Natur ginge, würde jede/r sich fortpflanzen, unabhängig von persönlichem Kinderwunsch.

Das wirft die Frage auf, ob einzig und allein die Natur "dahintersteckt", oder etwa eine höhere Macht oder gar ein Master-Plan?
Denn: Unsere Gesellschaft unterscheidet sich da meiner Meinung nach stark von anderen, vor allem auch früheren. Ich bilde mir sogar - vielleicht in meiner nur-ein-Kind-meiner-Zeit-Tunnelblick-Naivität - ein, dass sie einen noch-nie-dagewesenen Sonderstatus einnimmt. Warum entscheiden sich viele Menschen (und das nicht nur mangels Gelegenheiten) dafür, keine Kinder zu bekommen? Welche Arten von Menschen tun das? Wie beeinflusst das die Gesellschaft, wenn diese Menschen sich nicht fortpflanzen und in welche Richtung verändert sie sich dadurch? Ich denke an das - wiederum recht vereinfachte - Sinnbild eines Systems: Ein hochkomplex gewebtes Netz - jeder einzelne Knotenpunkt des Netz stellt ein Individuum mit seinen eigenen Mustern, Herausforderungen und Lernaufgaben dar. Das nähere Umfeld wird stark beeinflusst von den Handlungen des jeweiligen Knotenpunkts und umgekehrt, es kommt zu Wechselwirkungen und eigenwillige Dynamiken. Das gesamte Netz spiegelt ein unendliches und unsagbar komplexes Mosaik wider - die Menschheit - gestern, heute, morgen. Jeder Knotenpunkt befindet sich (an dem ihm zugewiesenen?) seinen Platz, den er einnimmt, ob er ihn sich ausgesucht hat oder nicht, ob er will oder nicht, ob er sich entscheidet, ihn wie ihm bestimmt auszufüllen oder für Unruhe im System zu sorgen. :-)

Warum klingt alles, was ich heute Abend schreibe, so banal? Und so religiös angehaucht? Ich denke mir: "Wer stellt sich angesichts der Komplexität der Schöpfung (die ja aus unsagbar viel mehr als "nur" aus uns Menschen besteht) / der Welt / des Universums [ Bezeichnung Deiner Wahl einsetzen ] keine spirituellen Fragen?" Vielleicht werde ich durch zunehmende Lebenserfahrung und Horizont-Erweiterung durch gewolltes Dazu-Lernen im Laufe meines Lebens einen immer besseren Zugang zu meiner spirituellen Seite finden? Ich vermute ja schon lange, dass meine Suche nach Wahrheftigkeit untrennbar damit verbunden sein könnte...

Banal und naiv oder nicht, für mich bleibt es mit Sicherheit weiterhin spannend...

Gute Nacht!
SonRisEva

Sonntag, 1. Juli 2007

Nomen est Omen!

Ich bin davon überzeugt: Worte gestalten die Welt mit, und nicht nur die Wahrnehmung der Realität!
Der Name, den wir unseren (symbolischen und tatsächlichen) Kindern geben, bestimmt mit, wie sie sich entwickeln werden.
Die Dinge beim Namen zu nennen, verdeutlicht die dahinterstehenden Ziele.
Tatsache.

Donnerstag, 28. Juni 2007

Menschen sind soziale Wesen

Was kann es traurigeres geben, als ein Kind, welches beschließt, dass es fortan besser daran tut, sich unabhängig von anderen (="den Erwachsenen") zu machen und sein Leben alleine zu bestreiten?

Montag, 25. Juni 2007

Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten...

"Eine innere Situation, die man sich nicht bewusst gemacht hat, taucht außen als Schicksal auf." - C.G.Jung

Sonntag, 24. Juni 2007

The Fall

Ich habe ein hartes Arbeits-Wochenende hinter mir, in dem ich in einer Form mit Gewalt konfrontiert war, wie ich sie nie erleben wollte: Zwischen zwei Menschen, an denen mir sehr viel liegt, und die sich vor allem gegenseitig sehr am Herzen liegen. Der Vorfall beschäftigt mich noch sehr und ich beginne die dahinter stehende Komplexität zu verstehen... So gesehen, liegen Hass und Liebe wahrlich nahe beinander. Und auch oder gerade massive Aggressivität ist eine Form von Beziehungsangebot.

Ich bin zufrieden damit, wie ich mich in dieser Situation verhalten habe. Ich war mutig, aber nicht leichtsinnig und es ist mir gelungen, mitten in der Krise meine Verantwortung wahr zu nehmen und rasch die notwendigen Entscheidungen zu treffen. So etwas fördert natürlich das Vertrauen in mich und meine Belastbarkeit, die ich vielleicht mehr in Frage stelle, als gerechtfertigt ist. Dennoch wünschte ich, diese Erfahrung wäre allen Beteiligten erspart geblieben. Es war auch spürbar, dass bei jeder/m Einzelnen persönliche Erinnerungen mit Gewalterfahrungen wach wurden. Ich selbst habe nicht so einen Zugang zu dem Thema - und frage mich, woran das liegen mag...

Ansonsten:

Ich glaube, ich habe noch nie so sehnsüchtig auf ein neues Album gewartet wie auf die neue CD von Interpol - "Our love to admire". Deren Musik wirkt seit Jahren einen mir unerklärlichen, magischen Zauber auf mich aus und berührt mich auf einer Ebene jenseits meines Verstands. Schon das erste Lied (zum ersten Mal live im Koko/London gehört) hat mich absolut süchtig gemacht. Ich höre seit Tagen nichts anderes als das:



Pioneer To The Falls - Interpol



Show me the dirt pile
And I will pray that the soul can take
Three stowaways
Vanish with no guile
And I will not pay
But the soul can wait
The soul can wait

It's still pretty
What with all these weeks
We’ll be fine
We’ll be fine

But if it’s still pretty
What with all these weeks
Will we find love
And supervise

Show me the dirt pile
And I will pray that the soul can take
Three stowaways
And you vanish with no guile
And I will not pay
But the soul can wait
I felt you so much today

Oh no, you try
You fly straight into my heart
You fly straight into my heart
Girl, I know you try
You fly straight into my heart
You fly straight into my heart
But here comes the fall...

So much for me believing that sorrow
So much for dreams we see but never care to know
Your heart makes me feel
Your heart makes me moan
For always and ever, I'll never let go
Always concealed
Safe and inside, alive!

Show me the dirt pile
And I will pray that the soul can take
Three stowaways
In a passion it broke
I pull the black from the grey
But the soul can wait
I felt you so much today...


(Ich weiß, ich werde am 9. Juli nicht enttäuscht werden. )

Mittwoch, 20. Juni 2007

So ein Glück!

Da offiziell bereits der nächste Tag begonnen hat und somit ein anderes Datum aufscheint, erlaube ich mir "heute" noch einen Eintrag. ;- )

Was ich für ein Glück habe,
  • solche Menschen in meinem Leben zu haben: meinen Partner, meine Freundin, meine FreundInnen, meine Familie, meine KollegInnen...
  • in Freiheit zu leben und solche Wahlmöglichkeiten und Chancen zu haben
  • gesund zu sein
  • Fähigkeiten und Talente mit auf den Weg bekommen oder genommen zu haben
  • so ein reichhaltiges (über-volles) Leben führen zu können
  • ...
SonRisEvA,
Glückspilz

Dienstag, 19. Juni 2007

GeWissheit

Dieser Blog könnte längerfristig etwas für mich sein... In den letzen Tagen hat es mich sogar in der sagenhaften Welt abseits des Alltags gedrängt, mich hier kundzutun.

Deshalb möchte ich dem Universum da draußen nicht länger vorenthalten, welche absoluten Gewissheiten ich bisher in meinem Leben finden konnte. Keine Sorge, das wird kurz & bündig, es sind nur 3. Ich sehe eher schwarz, dass da noch mehr dazukommen werden, jemals. Was nicht damit zu verwechseln ist, dass ich meinen persönlichen Zenit der Weisheit schon erreicht habe. Ich werde noch viel dazu lernen, aber auf mehr Sicherheit als Folgendes zu hoffen, erscheint mir müßig.

So, soviel steht für mich also mit 100%-iger Sicherheit fest.

1. Ich bin geboren worden.
2. Ich werde sterben.
3. Alles Dazwischenliegende unterliegt einer kontinuierlichen Veränderung.

Punkt.

Wie immer fällt es mir schwer, zu einem Punkt zu kommen, daher noch eine Ergänzung:
Work in progress: Bei der möglichen vierten Überzeugung bin ich mir schon nicht mehr in gleichem Maße sicher. "Es kommt immer neue Zeit nach." - "Und/Oder es gibt unendlich (ausreichend?) viel Raum..."

Wenn ich mir diese Fragen so anschau: Könnte es sein, dass ich gerade (mit 27!) meine zweite Pubertät durchlebe, bevor ich endgültig "erwachsen werde" (was auch immer das bedeutet)? ;-)

Ansonsten bin ich gerade erstaunlich zufrieden und dankbar, TROTZDEM (und damit mein ich nicht meine 3 Gewissheiten, in ihrer Summe haben diese sogar etwas Sicherheit Spendendes). Auch das erscheint mir erwähnenswert.

Gute Nacht,
Universum,
SonrisEvA

Montag, 11. Juni 2007

Auftrag: Überleben!

Pamphlet

Der Besuch des weltweit ersten Museums für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch in Wien letze Woche hat mich emotional sehr aufgewühlt und geistig sehr aufgeweckt. Da dieser Zustand erfahrungsgemäß nicht allzulange andauert, schreibe ich meine Gedanken nieder, bevor sie wieder im Nebel des Alltags entschwinden...


Im Rückblick ist es freilich immer leichter, das ganze Bild zu sehen. So ist mir auf einen Schlag bewusst geworden, mit wieviel Leid und Tragödien die mangelnde Mitbestimmung über das Kinderkriegen (mindestens) bis zur Generation unserer Großeltern in Europa und heute noch in den meisten Teilen der Welt verbunden ist. Diese unzählbaren persönlichen Traumatas ziehen auf verschiedenen Wegen weite Kreise, wovon nicht nur die Frauen, sondern auch Männer und Kinder (die Männer und Frauen den Zukunft) betroffen sind, also ganze Gesellschaften, da wir Menschen ja sozial verknüpft sind und uns gegenseitig beeinflussen.

Ich bin ja davon überzeugt, dass gesamte Gesellschaften an (psychischen) Erkrankungen erkranken können - heutzutage ist es in Österreich wohl in erster Linie die Depression (und wohl auch gewisse Formen des Wahns). Die Schicksalsschläge unserer Vorfahren wirken sich weiterhin auf uns aus. Insofern, und natürlich auch, weil auch heute so viel Unrecht passiert, sind wir Teil eines Systems, aus dem wir nicht aussteigen können. Sehr wohl aber unsere Handlungen so setzen können, um dem Unrecht entegegenzuwirken und uns selbst die Hände möglichst wenig schmutzig zu machen. Jede/r Einzelne. Das ist ja überhaupt die einzige Möglichkeit, die ich kenne, irgendetwas zu verbessern, bei sich selbst anzufangen...

Aber der Reihe nach - ich mute den Lesenden zuerst mal die schmerzende Realität zu. Man möge mir Vereinfachungen der Komplexität nachsehen, die für mich leider unumgänglich sind, um meinen Punkt klar zu machen.
Die Natur hat es uns Menschen vorbestimmt, dass wir zu allen Zeiten oft und hoffentlich gerne Sex miteinander haben. Darauf spielt auch der Titel des Blogeintrags an - das Überleben der Spezies Mensch ist grundsätzlich ein integraler Bestandteil von uns. Diesen Überlebenstrieb spüre ich auch auf persönlicher Ebene ganz stark in mir als integralen Bestandteil meiner Person - der Wert des Lebens ist unermesslich hoch, auch wenn ich nichts dafür getan habe, aber auch nichts dafür kann, hier und jetzt (in der Freiheit! im Luxus!) geboren worden zu sein. Ich empfinde das (an meinen weniger jämmerlichen Tagen ;-) als großes Geschenk.
Was den Umgang mit dem Thema Familienplanung anbelangt lebe ich in seligen Zeiten und Orten, da ich die Möglichkeit habe, selbst zu entscheiden, mit wem, wann und vie viele Kinder ich bekommen möchte. Auch wenn ich gerne darüber lametiere, dass es keine passende Verhütungsmöglichkeit für meinen Partner und mich gibt, habe ich mehr Freiheiten als so gut wie alle Frauen vor mir!
Tatsache ist nämlich, dass die Natur 15 Schwangerschaften pro Frauenleben vorgesehen hat (woraus je nach Lebensverhältnissen 10 Geburten folgen, wovon rund sieben Kinder überleben). So gesehen ist es nämlich auch nicht die natürlichste Sache der Welt, einmal pro Monat ihre Regel zu bekommen - sondern nahezu ständig schwanger zu sein, zu stillen, vielleicht 3 Mal die Regel zu bekommen und dann wieder schwanger zu werden.

Früher wie heute sind sieben Kinder jedoch - aus persönlichen, sozialen oder finanziellen Gründen - den meisten Familien zu viel.

Bis vor wenigen Jahrzehnten war es verboten, Informationen über Empfängnisverhütung weiterzugeben, selbst die eigenen Kinder aufzuklären, da Kinderreichtum ganz im Sinne der Machthabenden (Staat, Militär, Patriachat...) war. Heute spielt "die Kirche" mit ihrer fragwürdigen "Politik" eine größere Rolle als damals (ich muss zugeben, dass ich angesichts meiner Ausführungen unten nun besser verstehen kann, wie sie dazu kommt, etwa zu predigen , Sex nur zum Dienste der Fortpflanzung zu praktizieren; aber nun da es Möglichkeiten zur Beschränkung der Kinderzahl aus den verschiedenen Gründen gibt, ist diese Argumentation für mich persönlich hinfällig geworden). Die Forschung war sehr eingeschränkt dadurch, dass Leichen nicht seziert werden durften und somit nicht mal Informationen (schon gar nicht in der durchschnittlichen Gesellschaft verbreitete) darüber bestanden, wie etwas die inneren Geschlechtsorgane der Frau aussehen. Viele vermeintliche Verhütungsmethoden hielten sich trotz ihrerer Wirkungslosigkeit oder Schädlichkeit (etwa bleibende Unfruchtbarkeit durch Verätzungen) über Jahre, was wohl auch nur dadurch möglich war, dass nur unter der Hand darüber geredet wurde. Meine Großmutter hat mir anvertraut, dass ihre Mutter ihr noch als erwachsene junge Frau eingebleut hat, dass sie schwanger wird, wenn sie einem Mann ein Busserl gibt!
Das mangelnde Wissen hat natürlich erst recht fatalere Folgen, wenn es darum geht, bestehende unerwünschte Schwangerschaften abzubrechen, was vollkommen verpönt war. Statistisch gesehen hat es die Überlebenschancen der Frauen erhöht, das Kind auszutragen und (auch alleine) zu gebären, als abzutreiben. Die Methoden, die hierzu angewendet wurden sind so grausam und lebensgefährlich, dass ich sie hier gar nicht im Detail darstellen möchte. Die Dunkelziffer an Neugeborenen, die sogleich ermordet wurden, ist unabschätzbar hoch. In typisch österrischer Manier hat man sich auch einen Namen für den "Berufsstand" überlegt, der die dahinterstehende Grausamkeit in abstoßender Weise verniedlicht: "Engelmacherin". Das waren Leute, die offenbar nichts mehr zu verlieren hatten, und (zunächst das Abtreiben, dann auch) das Ermorden von Kindern übernahmen.

Hierzu gibt es ein altes Wienerlied:
http://www.wienerlieder.at/index.asp?flangu=DE-DE-WI&aflangu=DE-DE-WI&amp;amp;amp;amp;n1=0&n2=0&m=0&ObjID=7338&crit=&app=2&page=1

Auch wenn ich weiß, dass das Verhältnis zu Babys aufgrund der hohen Säuglingssterblichkeit ein anderes war als heute, können die beteiligten Menschen doch diese Schritte unmöglich mit ihrem Gewissen vereinbart haben, auch wenn es für sie der einzige Ausweg war (das eine schließt das andere ja nicht aus). Ich glaube nicht, dass es an irgendeinem Menschen spurlos vorrüber gehen kann, wenn er sich eine Stricknadel in den Bauch sticht um eine Fehlgeburt einzuleiten oder sein Baby eigenhändig ermordet oder es einer Mörderin übergibt. Ich kann das Ausmaß der Verzweiflung und des gesellschaftlichen Drucks, die einen zu solchen Schritten veranlasst nur erahnen.
In jedem Fall bin ich davon überzeugt, dass solche Traumata Spuren auf der Seele hinterlassen und die Persönlichkeit und das Leben bleibend verändern (und zwar zum Schlechteren). Selbst wenn man versucht, alles zu verdrängen läuft man Gefahr, seine Menschlichkeit zu verlieren. Und diese einzelnen Menschen haben die Gesellschaft zusammengesetzt (und waren Eltern, die ihr Weltbild an ihre Kinder weitergaben), diese Schicksale in unseren Familien sind unsere Vorgeschichte, auf der unsere Leben aufbauen.

Das klingt für Außenstehende vielleicht esoterisch, aber: Ich kenne Stimmen aus meinem Inneren, die schreien: "Tu etwas gegen dieses massive Unrecht, das uns widerfahren ist!" Es sind die Generationen von Frauen vor mir, die mich dazu auffordern, für sie zu kämpfen. Dieser Ruf hat gefühls-und verstandsmäßig nichts mit mir persönlich zu tun, denn ich bin selbst keine benachteiligte Frau. Ich glaube ja, dass wir alle unbewusste Aufträge von unseren Vorfahren in uns tragen, bei denen wir, wenn wie sie uns bewusst machen, entscheiden können, ob wir sie annehmen, oder nicht. Ich weiß noch nicht, wie ich mit diesem drängenden und fremden Auftrag umgehen soll...

Der Punkt ist: So gut wie jedes Mitglied der Gesellschaft war vom oben geschilderten Problem persönlich betroffen, hat am eigenen Leibe erfahren, welches Leid damit verbunden sein kann, und doch wurde der gesellschaftliche Druck aufrecht erhalten und der Schein um jeden Preis gewahrt.

Mich ermuntert dieses Paradoxon umso mehr, soweit mir möglich, gesellschaftliche Vorgaben im Hier und Heute weiterhin kritisch zu hinterfragen und keinesfalls als gegeben hin- und anzunehmen. Damals wie heute läuft vieles einfach falsch, auch wenn und gerade weil die Menschen mitmachen, die es in der Hand hätten, es anders zu machen.
Ich habe selbst Blut an meinen Händen, jeden Tag auf's Neue, einfach weil ich so lebe, wie ich lebe. Ich trage durch meine Lebensstil aktiv zum Unglück anderen Menschen bei (und trage auf der anderen Seite auch aktiv zum "Glück" anderer Menschen bei, beides zugleich ist der Fall). Es ist höhnisch, etwa der Generation des dritten Reiches vorzuwerfen: "Wie konntet ihr das zulassen, wie konntet ihr mitmachen?" wenn ich heute nicht mal behaupten kann, dass ich nichts davon weiß, dass wir aktiv auf den Untergang der Menschheit zusteuern, indem wir das Unrecht auf der Welt aufrechterhalten und das Umweltsystem der Erde derart beschädigen und ich zu beidem meinen Beitrag leiste.

Es wird mir niemals möglich sein, mich in allen Bereichen gut genug auszukennen, um alles richtig zu machen. Hätte ich hierbei einen perfektionistischen Schwarz-Weiß-Denkerei-Ansatz, wäre ich von vorneherein zum Scheitern verurteilt und hätte eine brauchbare (und zugleich nach meinen moralischen Maßstäben unzulässige) Ausrede, von vornherein gleich gar nichts zu versuchen.
Ich haben aber die Möglichkeit, in meinem Rahmen mein gut-genug Bestes zu versuchen um die Informationen zu erhalten, die es mir ermöglichen, meine Handlungen so zu setzen, dass sie meiner inneren Richterin bei der Gewissensprüfung standhalten.
Fehler muss ich in Kauf nehmen, weil sie mir als der vergleichsweise niedrigere Preis erscheinen, als wenn ich mich für den Stillstand und die Handlungslosigkeit entscheiden würde. Platt formuliert: Lieber ein fehlerhafter Mensch als ein Stein. Diese zweite Möglichkeit kommt für mich nicht in Frage, weil sie beinhalten würde, dass ich mich meiner Verantwortung entziehe. Denn auch wenn ich nicht um mein Leben gebeten habe, siehe oben, und ob ich will oder nicht, bin ich verantwortlich für mich und mein Leben. Ich habe das Glück, Möglichkeiten zu wählen zu haben, und ich habe Möglichkeiten, diese Möglichkeiten auszuweiten, mich selbst immer mehr zu empowern. Diesbezüglich kenne ich nur den Weg, an mir selbst zu arbeiten, mich besser zu verstehen und aus meinen Fehlern zu lernen.

Ich muss die Konsequenzen meiner Handlungen tragen, und ich will mir von meinen Kindern eines Tages möglichst wenig Vorwürfe anhören müssen. Wofür bisher die Chancen schlecht stehen. Denn falls der Eindruck entstanden ist, dass ich mich hier als eine scheinheilige Moralapostelin darstelle: Es stimmt, ich habe viele Fehler gemacht und ich lebe noch nicht (ausreichend), was ich predige! Ich bin erst auf dem Weg und werde meine Ziele im Laufe meines Lebens nicht erreichen können. Aber immerhin werde ich sagen können, ich habe mich nach bestem Wissen und Gewissen auf den Weg gemacht.

In diesem Sinne (frei nach Blumentopf):

Fuck the system, wenigstens ein bisschen!

SonRisEvA


Hier der Link zum sehenswerten Museum, dem ich den willkommenen Denkanstoss zu verdanken habe:

www.muvs.org

Berufung

Seine Berufung sucht man sich nicht aus - Seine Berufung findet einen.

Sonriseva, 10.06.2007